Brettspielkultur in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe
Die deutsche UNESCO-Kommission hat gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz des Bundes und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) die Aufnahme der Kulturform „Brettspiele spielen – Brettspielkultur in Deutschland“ in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes
bekanntgegeben. Damit wird die lebendige und vielfältige Brettspielkultur in Deutschland offiziell als schützenswertes Kulturgut gewürdigt.
Der lange Weg zur Anerkennung
Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Engagements zahlreicher Akteure – und insbesondere des beharrlichen und engagierten Einsatzes von Prof. Dr. Karin Falkenberg, Prof. Dr. Jens Junge und Dr. Tom Werneck. Sie haben über viele Monate und Jahre hinweg maßgeblich und konkret an den Antragsunterlagen gearbeitet und damit den entscheidenden Beitrag für diesen Erfolg geleistet.
Bereits 1985 setzte sich der Spieleautor Reinhold Wittig, Initiator der Göttinger Spieleautorentreffen, für eine politische Anerkennung der Brettspielkultur ein. Unter dem Motto „Spiel kann Buch“ wandte er sich an Landes- und Bundesministerien und legte damit den Grundstein für den heutigen Erfolg.
2010 hob Professor Max J. Kobbert, Wahrnehmungspsychologe und Spieleautor, in seinem Buch „Kulturgut Spiel“ die elementare Bedeutung des Spiels für die kognitive und soziale Entwicklung von Kindern und Erwachsenen hervor. Er betonte: „Das Spiel ist nicht nur ein Teil des Lebens, sondern Leben selbst.“
Ein weiterer Impuls kam 2017 von Ferdinand de Cassan, dem langjährigen Leiter des Österreichischen Spielemuseums. Er regte kurz vor seinem Tod an, die Anerkennung der Brettspielkultur in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe zu beantragen. Diesen Vorschlag griffen Karin Falkenberg, Leiterin des Spielzeugmuseums und damalige Leiterin des Deutschen Spielearchives in Nürnberg, sowie Tom Werneck, Gründer des Bayerischen Spiele-Archives Haar e.V., auf. Sie waren es, die die Idee im Team in die Tat umsetzten und den Antrag mit viel Engagement und Sachkenntnis ausarbeiteten.
Vier Anläufe bis zum Erfolg
Der Weg zur Anerkennung war von Ausdauer und Beharrlichkeit geprägt. Dererste Antrag wurde 2017 in Bayern von Prof. Dr. Karin Falkenberg und Dr. Tom Werneck, unterstützt durch Gutachten Prof. Dr. Jens Junge und Ernst Kick, damals CEO der Spielwarenmesse, formuliert, jedoch weder angenommen noch abgelehnt, sondern zur Überarbeitung vorgeschlagen.
Nach der Überarbeitungsphase folgte 2019 ein zweiter Antrag. Ab diesem Zeitpunkt wirkte Karin Falkenberg privat mit, da ihre damalige Vorgesetzte die Leitung des Deutschen Spielearchives Nürnberg übernommen hatte und den UNESCO-Antrag nicht unterstützte. Statt dessen sollte das Spielearchiv für die Kulturhauptstadtbewerbung 2025 vorbereitet werden. Jedoch wurde Chemnitz Europäische Kulturhauptstadt, nicht Nürnberg.
Ein dritter Versuch, den UNESCO-Antrag zum Erfolg zu führen, lief über das Bundesland Thüringen. Erneut war das engagierte Antragstrio Falkenberg, Junge und Werneck federführend, doch diesmal scheiterte der Vorstoß zunächst an den Prioritäten der Landesregierung. Erst der vierte Antrag, erneut mit Unterstützung aus Thüringen und nach weiteren Anpassungen, führte zum Durchbruch: Am 16. Mai 2024 wurde die Brettspielkultur auf die Landesliste gesetzt und von der thüringischen Landesregierung zur Aufnahme auf die Bundesliste vorgeschlagen.
Mit der Zustimmung der Kultusministerkonferenz am 26. März 2025 wurde die Brettspielkultur in Deutschland schließlich offiziell als Immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt – ein Erfolg, der ohne das jahrelange Engagement, ohne das Herzblut und die Ausdauer von Prof. Dr. Karin Falkenberg, Prof. Dr. Jens Junge und Dr. Tom Werneck nicht möglich gewesen wäre. Weitere Hintergrundinformationen auf der Seite des Instituts für Ludologie.
Ein bedeutender Schritt für die Brettspielkultur
Die Anerkennung hebt insbesondere das Engagement zahlreicher Brettspielcafés, Spieleclubs und Vereine hervor, die diese Kulturform ehrenamtlich prägen und gestalten. Sie gewährleisten einen öffentlichen, nicht kommerziellen Zugang zu dieser gemeinschaftlichen Kulturpraktik und tragen maßgeblich dazu bei, das Spielen als generationsübergreifende und integrative Aktivität zu fördern.
Die Aufnahme würdigt die Tradition und Vielfalt des Brettspielens in Deutschland sowie das ehrenamtliche Engagement der vielen Akteure, die diese Kultur lebendig halten. Sie ist ein starkes Signal für die gesellschaftliche Bedeutung des Spiels und dessen Beitrag zu Bildung, Gemeinschaft und kultureller Identität.
Der Förderverein des Spielzeugmuseums freut sich sehr über diesen Erfolg, weil er 2017 dieses Vorhaben gerne unterstützt hat. Aufgrund kulturpolitischer Entscheidungen der Stadt Nürnberg, wurde jedoch die Leitung des Deutschen Spielearchives vom Spielzeugmnuseum institutionell 2018 getrennt. Seitdem ist auch der Förderverein nur noch für das Spielzeugmuseum und nicht mehr für das Spielearchiv zuständig.


